Hallo ihr Lieben,
inzwischen habe ich Sri Lanka schon eine Woche verlassen – hier kommt der Reisebericht meiner letzten Etappe dort. Von Ella bin ich weiter nach Nuwara Eliya gereist.

 

Wo liegt Nuwara Eliya?

Nuwara Eliya liegt im Hochland von Sri Lanka zwischen Ella und Colombo. Nach Ella (östlich) sind es ca. 55 km, nach Kandy (nordwestlich) ca. 80 km, nach Colombo (westlich) ca. 160-170 km.

 

Zugfahrt Ella – Nuwara Eliya (Nanu Oya)

Die Zugfahrt von Ella in Richtung Westen ist sehr bekannt für seine bezaubernde Landschaft – entsprechend voll sind die Züge. Wie voll, davon konnte ich mich in Ella schon überzeugen, als ich am Tag zuvor mit dem Zug nach Badulla Richtung Norden gefahren bin für einen Halbtagesausflug und die Massen an Reisenden am Bahnsteig sah.
Um den mega Ansturm am Bahnhof in Ella zu umgehen und mir entspannt einen Sitzplatz zu ergattern, stieg ich nicht in Ella in den Zug. Von meiner Unterkunft in Ella fuhr ich mit dem Tuk Tuk nach Demodera an den Bahnhof (schlappe 400 Rupien = 2,12 €). Demodera liegt ca. 6,5 km nördlich von Ella und der kleine Umweg hatte gleich mehrere Vorteile:

  1. Der Bahnhof in Demodera wirkt irgendwie nett – ein wenig wie aus der Zeit gefallen, aber mit netter Atmosphäre

    In Demodera war nichts los und so bekam ich problemlos am Bahnhof in entspannter Atmosphäre ein Ticket und auch absolut problemlos einen Sitzplatz im Zug. Als die Massen eine Haltestelle später in Ella in den Zug stürmten, hatte ich bereits meinen Wunsch-Sitzplatz.

  2. Zwischen Demodera und Ella liegt auf der Zugstrecke die bekannte Nine Arches Bridge – und so konnte ich diese aus dem Zug noch einmal sehen und fotografieren. Und wir wurden auch schon erwartungsvoll von den anderen Touris erwartet, die von der anderen Seite fotografierten ;).

Nine_Arches_Bridge

Nine_Arches_Bridge

So hatte ich einen schönen Sitzplatz und hing jedoch auf der Fahrt auch öfters an einer der offenen Türen, ließ mir den Wind ins Gesicht pusten und genoss und fotografierte die schöne Landschaft. Da die Züge in Sri Lanka sehr langsam fahren, vor allem im Hochland, ist es ein Klassiker sich wild aus der offenen Türe zu hängen (natürlich gut festhalten).

Zugfahrt_Sri_Lanka

 

Zug_Ella_Nuwara_Eliya

Die Konkurrenz an den Türen war jedoch groß – in diesem Zug waren wir alle vereint: Die wild fotografierenden Reisenden, die Abenteurer mit Sagrotan-Fläschchen in der Hosentasche, der Instagram-Hipster, der sich immer und immer wieder von Mama fotografieren ließ in der offenen Zugtüre (natürlich mit obligatorischem Hut, Schmalz-Locke und Spiegel-Sonnenbrille), die asiatische Selfiestick-Fee im roten Wallekleid und die Einheimischen, die sich noch viel wilder aus den Türen hängen ließen als die Selfie-verrückten Reisenden.

Je näher wir dem Ziel kamen, desto mehr kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Der Großteil des Fahrt war landschaftlich fantastisch – quer durchs Hochland, vorbei an Haputale (wunderschön, kommt fürs nächste Mal auf die Liste), durch den Horton Plains Nationalpark, vorbei an zahlreichen Gemüse-Plantagen. Mal neblig, mal sonnig und schließlich durch immer traumhafter werdende Teeplantagen. Ich kann kaum zählen, wie oft ich die Kamera bereits weg gepackt hatte, weil wir kurz vor dem Ziel waren und ich sie dann doch wieder hektisch aus der Tasche holte, weil die Landschaft so traumhaft war. Sorry, falls ich euch mit den Bildern und den Teeplantagen langweile – ich konnte nicht genug davon bekommen.

Dazu kamen zahlreiche Menschen, die plötzlich neben der Zugstrecke mitten in der Pampa auftauchten (einer lag sogar einfach auf dem Boden und schlief – ein Phänomen, das mir auf meiner Reise immer wieder begegnet ist) oder an den Bahnhöfen verkauften.

 

Wer mit dem Zug nach Nuwara Eliya möchte, fährt übrigens nicht direkt bis Nuwara Eliya, sondern bis zum Bahnhof Nanu Oya.

Nuna Oya liegt ca. 8 km außerhalb von Nuwara Eliya, manche Unterkünfte bieten einen kostenlosen Tuk Tuk Abholservice vom Bahnhof an. Dort angekommen erwartete mich daher bereits der Tuk Tuk Fahrer, den meine Unterkunft geschickt hatte und so ging es direkt weiter nach Nuwara Eliya.

Tuk_Tuk

 

Nuwara Eliya Unterkunft: House of Leisure

Meine Unterkunft, das House of Leisure*, lag wieder etwas außerhalb der Stadt in den Teeplantagen rund um Nuwara Eliya.
Das Haus wirkte auf mich wie ein schickes, englisches Landhaus aus den 80ern. Komfortabel, mit netter Aussicht, aber ein wenig angestaubt. Das Frühstück leider westlich, nicht singhalesisch.
Nachteil: morgens von 5 Uhr bis 6 Uhr schallert der weiter unten im Tal gelegene Tempel so laute Musik, dass an Schlaf nicht zu denken war. Das ging einher mit sehr kühlen Temperaturen – es waren nicht die schönsten Nächte.

 

Nuwara Eliya: Wetter

Nuwara Eliya ist die höchst gelegene und kälteste Stadt Sri Lankas (1.868 m). Das bekam ich deutlich zu spüren. Ohne mein Merino-Wolloberteil, eine lange Hose, zwei Paar Socken übereinander und dem spontan dazu gebuchten elektrischen Heizöfelchen (das kam glaube ich auch noch aus den 80ern) wäre an Schlaf kaum zu denken gewesen (standardmäßig gibt es keine Heizung). Auch tagsüber waren die warmen Klamotten ein Muss.
So hatte es Anfang/ Mitte Januar tagsüber zwar um die 15 Grad, war jedoch wechselhaft und sank nachts unter 10 Grad.
Temperaturtechnisch ein ordentlicher Sturz nach den warmen Strandtagen, z.B. in Tangalle und auch noch einmal ein gutes Stück kälter als in Ella, wo ich jedoch nachts auch schon lange Klamotten gebraucht hatte. Und so gesehen ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich auf meinem nächsten Stop in Nepal erwartet.

 

Wie ist Nuwara Eliya?

Nuwara Eliya war lange in Hand der englischen Kolonialherren – das merkt man auch heute noch an vielen Stellen. Nicht nur das Wetter ist irgendwie britisch (kalt, Nebel, Regen), sondern auch die Architektur (z.B. Hill Club oder die alte Post).

Post_Nuwara_Eliya

So fühlte ich mich nicht nur einmal wie in den britischen Highlands. Dazu gibt es mitten in der Stadt eine Pferderennbahn, einen Golfplatz und den Victoria Park.

Ansonsten hat die Stadt (ca. 25.000 Einwohner) jedoch wenig mit Großbritannien zu tun. In der Innenstadt merkte ich recht schnell, dass ich in einer asiatischen Stadt gelandet war. Voll, laut, dreckig, chaotisch. Am Busbahnhof entging ich gefühlt nur knapp einem Hörschaden (dezent übertrieben), da hier pausenlos herumgebrüllt wird, um die Busse zu füllen. Dazu zahlreiche Läden und Straßenverkäufer rings herum, gefüllt mit unzähligen Menschen. Ständig wurde ich angequatscht, ob ich nicht dies oder jenes kaufen wollte: „Look Madam, good quality and very cheap“. Ich war froh, als ich alles erledigt hatte und wieder aus der Stadt draußen und in meiner Unterkunft war.

Doch das ist noch nicht alles – was die Gegend wieder einmal spannend macht, ist die zauberhafte Landschaft um die Stadt herum.

 

Nuwara Eliya: die Teeplantagen

Rund um Nuwara Eliya gibt es wunderschöne Teeplantagen und so mietete ich ein Tuk Tuk samt Fahrer und kurvte ein wenig durch die Gegend Richtung Kandy zum Fotografieren. Was ich schade finde: Die schönsten Teeplanten-Landschaften werden verschandelt durch die Schriftzüge der großen Teefirmen – tja, so ist das mit der Eigenwerbung. Das Wetter war zwar neblig-wolkenverhangen, ein netter Anblick.

 

Zugfahrt Nuwara Eliya – Kandy

Nach den Tagen in Nuwara Eliya hieß es Abschied nehmen aus Sri Lanka. Da mein Flug jedoch erst nachts ging und ich gehört hatte, dass die Zugfahrt von Nanu Oya nach Kandy wunderschön sein soll, hängte ich diese noch dran.
Sie hatten nicht zu viel versprochen. Der Zug tuckert zwar vogelwilde Umwege und braucht für die 80 km Entfernung ca. 4 Stunden, die Strecke ist aber vor allem auf der ersten Hälfte landschaftlich wunderschön. Was nicht ganz so schön war: Ich fuhr sonntags und so war der Zug extrem voll – zu den ansonsten sehr vielen Reisenden mischten sich auch sehr viele Einheimische. Und so stand ich das erste Stück in der dritten Reihe irgendwo und konnte die traumhaft schöne Landschaft nur zwischendurch erhaschen – später bot mir ein Einheimischer dankenswerter Weise seinen Sitzplatz an.

Fotografieren ging leider kaum aufgrund der Situation – so habe ich viele Bilder dieser Fahrt nun in meinem Kopf gespeichert, statt auf Speicherkarte konserviert. Aber ich habe euch ja bereits jede Menge Teeplantagen und Hochland-Landschaften gezeigt – ihr könnt es euch also womöglich vorstellen, wie es ausgesehen hat.

Die Zugfahrten in Sri Lanka waren immer ein echtes Erlebnis inkl. Vollverpflegung: Regelmäßig laufen Verkäufer durch den Zug und verkaufen Erdnüsse, Gemüse, Teigkringel oder gebratene Gemüsetaschen. Letztere waren zwar sehr lecker – doch ab dem zweiten Bissen brannte mein Mund so sehr aufgrund der Schärfe, dass ich für den spontan gereichten Neutralisierungs-Keks meines singhalesischen Sitznachbarn inkl. verständnisvollem Blick sehr dankbar war. Das war wahrscheinlich das erste und einzige Mal, dass ich ‚echtes‘ singhalesischen Essen probiert habe :D.

Kandy ließ ich komplett aus als Ziel. Nachdem mir Tangalle und Ella so gut gefallen hatten, dass ich verlängert habe, blieb keine Zeit mehr für die alte Königsstadt. Traditionelle Tänze hatte ich jedoch an Silvester schon jede Menge gesehen und Tempel würde ich die nächsten Wochen noch viele sehen – daher habe ich nicht das Gefühl viel verpasst zu haben.
So erwartete mich in Kandy am Bahnhof bereits der vorab gebuchte Fahrer, der mich direkt im Anschluss gut und sicher die 3,5 Stunden zum Flughafen an die Westküste gebracht hat.

Ich hatte vorab über die beiden Facebook Gruppen Sri Lanka Taxi Share und Backpacker Taxi Share Sri Lanka Angebote eingeholt und mich dann für einen entschieden.

So habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: eine landschaftlich schöne Zugfahrt erlebt und die Fahrt zum Flughafen mit dem Fahrer war ab Kandy nur halb so teuer wie sie ab Nuwara Eliya gewesen wäre.

 

Nuwara Eliya: mein Fazit

Die Landschaft rund um Nuwara Eliya ist eine echte Perle, wenn man auf Teeplantagen steht wie ich. Die Stadt selbst fand ich wenig reizvoll, da laut und trubelig. Der britische Einschlag ist ziemlich kurios, ich habe ihn sonst nirgends so stark erlebt in Sri Lanka.

Insgesamt ist es mir dort etwas zu frisch, auch wenn entgegen der ursprünglichen Wettervorhersage öfters mal die Sonne raus kam. Mein Optimismus hat sich also gelohnt doch hier her zu fahren, statt dem Wetterbericht mit pausenlos Regen zu glauben.

 

Wie geht’s weiter?

Vier Wochen Sri Lanka sind verflogen – es war Zeit Abschied zu nehmen. Ich hätte mir kaum einen besseren Start wünschen können: Der entspannte Start mit Ayurveda Sri Lanka, die Strände an der Südküste in Unwatuna, Mirissa und vor allem Tangalle und schließlich das traumhaft schöne Hochland in Ella.

Wunderschöne Landschaften gepaart mit herzlichen Menschen – viele schöne Erfahrungen nehme ich aus Sri Lanka mit.

Mit dem Flieger ging es für mich von Sri Lanka über Delhi weiter nach Kathmandu in Nepal. Ein ziemlich großer Kontrast. Doch mehr dazu in meinem nächsten Reisebericht.

Simply Nuwara Eliya. Simply me.

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.